Einsatzbericht Alarmübung Nr. 1 / 2012

Datum:

22.10.2012

Alarmzeit:

18:40 Uhr

Einsatzende:

22:00 Uhr

Einsatzort:

Eichbühlhof - Hauptstraße

Kategorie: Alarmübung
Ereignis: Brand nach Blitzschlag, mehrere Personen vermisst
Mannschaftsstärke: 22 Bereitschaft: 0
Eingesetze Fahrzeuge: HLF20/16, LF16-TS, TLF8, MTW
Sonstige Feuerwehren: Abt. Dossenbach (LF8/6), FF Rheinfelden Abt. Rheinfelden (DLK23/12, ELW), FF Rheinfelden Abt. Karsau (LF16/12, MTW)
Menschenrettung: Ja
 

Zeitungsbericht aus der Badischen Zeitung vom 23.10.2012


Der Notruf funktioniert nur in drei Etappen


Bei der Feuerwehr-Großübung auf dem Eichbühlhof stellt sich heraus, dass der benachbarte Löschwasserteich zu wenig Löschwasser spendet.


SCHWÖRSTADT. Eine Feuerwehrübung auf dem Eichbühlhof ist keine einfache Sache. Die Mobilfunkverbindung funktioniert nicht einwandfrei, das Gehöft liegt abgelegen und verfügt nicht über eine schnell abrufbare, große Löschwasserreserve. Um 18.40 Uhr wurde am Montag vom Eichbühlhof aus der Feueralarm ausgelöst. Nicht ganz problemlos, denn das Mobilfunknetz dort oben ist so gestört, dass dreimal angerufen werden musste, bis die Meldung komplett in der Leitzentrale war. Nach acht Minuten traf das erste Löschfahrzeug auf dem Reiterhof ein.

Für diese Übung wurde eine komplizierte Lage angenommen, ein Blitzschlag habe ein hinteres Scheunendach in Brand gesetzt, der Rauch ziehe dann auf ganzer Länge durch den 40 Meter langen Heuboden. Fünf Personen wurden vermisst, sie müssten also im oder dicht am brennenden Gebäude sein. Beleuchtung gab es nicht, in einem solchen Fall ist ein Totalausfall der Stromversorgung in den Gebäuden sehr wahrscheinlich. Angesichts der gemeldeten Lage waren fünf Löschfahrzeuge aus Schwörstadt, Dossenbach und Karsau sowie die Führungsgruppe und die Drehleiter aus Rheinfelden alarmiert worden, 19 Minuten später standen sie allesamt auf dem Hof.



Mit Strahlrohr ausgestattet hing der Korb der Drehleiter über der angenommenen Brandfläche. Foto: Rolf Reißmann



Per Hand wurde der Schlauchanhänger über einen absolut unebenen Weg zum Löschteich geschoben. Foto: Rolf Reißmann


Die eintreffenden Feuerwehrleute erhielten sofort die Lagebeurteilung, und nacheinander nahmen die vier großen Löschfahrzeuge ihren Standort ein. Das kleine Tanklöschfahrzeug 8 der Feuerwehr Schwörstadt, ein rund 40 Jahre alter Unimog, fuhr sofort als Pumpstation hinter das Hofgelände an einen Löschteich, von dort aus wurden die Schläuche zum Hofgelände ausgerollt. Wenige Minuten später kamen über einen Feldweg noch zwei Traktoren aus Dossenbach mit einem Schlauchanhänger und einem Pumpwagen an.


Nach 25 Minuten war der angenommen Brandort voll ausgerüstet, Generatoren liefen und Scheinwerfer erleuchteten das Gelände, sämtliche Schläuche standen unter Druck, der Korb der Drehleiter mit Strahlrohr über dem Dach der Scheune. Unter Atemschutz hatten inzwischen drei Gruppen die Scheunen durchsucht und vier der vermissten Personen gefunden und geborgen.

Lediglich der Fahrer des Krans auf dem Heuboden war nicht einfach zu retten. Über Handleitern musste er von vier Feuerwehrleuten unter Atemschutz vorsichtig aus sechs Meter Höhe geborgen werden, wohl einer der schwierigsten Teile dieser Übung. Selbstverständlich lässt sich nicht jede Situation nachstellen, doch die wichtigsten Abläufe wurden gut sichtbar. Julia Haydn, die Pächterin dieses Hofes, betreibt hier eine Pferdepension und führt Training mit den Pferden durch. Am Montag waren, um die Tiere keinem unnötigen Stress auszusetzen, die Pferde auf benachbarten Grundstücken untergebracht. Bei einem Brand wären die Tiere zuerst zu retten gewesen, während gleichzeitig die Löscharbeiten anlaufen. Dazu wäre sehr schnell eine Schleuse zu installieren, damit die Pferde nicht ausbrechen.

Als besonders schwierig erwies sich die Wasserversorgung. Der kleine Löschteich hinter dem Gelände enthielt nur wenige Kubikmeter schnell abpumpbares Wasser, dann zogen die Pumpen schon Schlamm an. Die Schaffung einer deutlich größeren Löschwasserreserve ist als eine der dringendsten Aufgaben für dieses abgelegene Gehöft angesehen worden. Fest steht auch, dass hier bei einem Brand sofort die Hilfe benachbarter Wehren anzufordern ist. Zur Übung funktionierte die Zusammenarbeit problemlos.

Möglicherweise stehen auch viele Fahrzeuge auf dem Hof. Sind die Parkplätze richtig angelegt und werden sie auch wirklich korrekt benutzt? Ebenso bleibt die Frage, ob jederzeit genau bekannt ist, wie viele Personen in den weitläufigen Gebäuden arbeiten. In Kenntnis der oft gestörten Mobiltelefonverbindung verfügt Julia Haydn noch über einen Festnetzanschluss.

Simon Schmidt, der stellvertretende Abteilungsleiter der Feuerwehr Schwörstadt, arbeitete die Übung unter der Leitung des Schwörstädter Abteilungsleiters Daniel Ebi aus und bedankte sich bei den Teilnehmern für die sehr sachliche und korrekte Zusammenarbeit. In den nächsten Wochen müssen etliche Schussfolgerungen aus diesem Übungseinsatz gezogen werden.



Einer der schwersten Teile der Übung war die Rettung eines bewusstlosen Mannes aus 6 Meter Höhe, die Feuerwehrleute arbeiteten dabei mit Atemschutzgeräten. Foto: Rolf Reißmann


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